Sunday, December 7, 2008

Werwolf-Filme (7/13)


Kaum ein Jahr nach dem vielleicht besten Werwolf-Film - "The Howling" - kam dann schon ein Film, der mindestens auf Platz 2 dieser Liste stehen müsste: John Landis' "An american Werewolf in London" ("American Werewolf").

Anders als bei Joe Dante's Beitrag zu diesem Sub-Genre, ging John Landis mit einer gehörigen Portion Ironie und Humor an die Arbeit, die sich im fertigen Ergebnis auch deutlich zeigt. Landis´ Beitrag zu den Werwolf-Filmen ist  schlicht und einfach genial. Ich wüßte wirklich nicht zu sagen, welcher Film besser ist.

In "American Werewolf" gibt es ebensoviel Spannung wie auch Komik, das Lachen bleibt einem manchmal wirklich buchstäblich im Halse stecken, bei "Das Tier" nimmt einen die unheimliche und spannende Atmosphäre, die den ganzen Film anhält, und die Spannung in seinen Bann. In beiden Filmen gibt es ausgezeichnete Schauspieler, Geschichten und Effekte. Möge also jeder für sich selbst entscheiden, welcher Film nun der Bessere ist (ich kann mich beim besten Willen nicht festlegen).

Auch teils sehr gut agierten die Hauptdarsteller, das waren vor allem David Naughton als Amerikaner in London, David Kessler, Griffin Dunne als sein Freund Jack Goodman und (vor allem) Jenny Agutter als Krankenschwester Alex Price.


Der Inhalt: David Kessler und Jack Goodman, zwei Amerikaner, sind auf einer Tramp-Tour durch Europa in England angekommen. Auf ihrer Wandertour erreichen sie abends ein Landgasthaus, in dem ein merkwürdiges fünfeckiges Zeichen - ein Pentagramm - an die Wand gemalt ist. Als sie die Leute fragen, was das zu bedeuten hat, begegnet man ihnen mit Ablehnung. Sie verlassen das Gasthaus, nicht ohne eine Warnung der Wirtin zu bekommen: sie sollen den Vollmond meiden und auf der Straße bleiben.

Sie gehen weiter und ohne, das sie es merken, steht der Vollmond bereits am Himmel und sie haben die freie Straße verlassen. Als sie ein unheimliches Heulen hören, das immer näher zu kommen scheint, wird es ihnen doch mulmig zumute und sie wollen wieder zum Gasthaus zurück. Dabei werden sie von einem großen Tier angefallen.

David kommt im Krankenhaus wieder zu sich, wo man ihm sagt, das sein Freund Jack bei dem Angriff umgekommen sei. Obwohl David sicher ist, das sie beide von einem Wolf angefallen wurden, will man ihm erklären, es sei ein  entlaufener Wahnsinniger gewesen. Nachdem es David wieder etwas besser geht, bekommt er plötzlich Besuch von Jack, seinem toten Freund.

Er erzählt ihm, das sie beide von einem Werwolf angefallen worden waren, Jack´s Seele könne keine Ruhe finden, bevor der letzte Werwolf nicht vernichtet wurde. Da David verletzt worden ist, ist der Fluch des Werwolfes auf ihn übergegangen.

Natürlich glaubt David kein Wort, sondern hält das alles für einen verrückten Alptraum, von dem er in der letzten Zeit mehr als genug hatte. Er freundet sich mit der Krankenschwester Alex Price an, die ihn mit zu sich nach Hause nimmt. Erneut bekommt David nachts Besuch von Jack, der ihn vor der nächsten Vollmondnacht warnt, doch David tut es weiterhin als Wahnvorstellung ab. In der folgenden Vollmondnacht aber passiert es: David verwandelt sich in einen Werwolf und geht auf Beutezug.


Die Verwandlungsszenen vom Menschen zum Werwolf wurden mit ebenso viel Aufwand hergestellt wie in "The Howling". Allerdings gingen die Trickexperten - unter der Leitung von Rick Baker - hier auch eigene Wege. Im Endstadium der Verwandlung sieht man den ganzen Körper des bereits fast vollständig verwandleten Menschen in einen Werwolf.

Das zu drehen, bedeutete einiges an Aufwand: wenn man den "Werwolf" im ganzen sieht, ist es niemals ganz eine Puppe. Der Kopf und Teile des Oberkörpers waren wirklich die von David Naughton, der Rest aber eine Puppe. Dazu wurde ein Loch in den Studioboden angelegt, durch das Naughton seinen Oberkörper stecken konnte, der Rest des "Wolfes" lag vor ihm und wurde von den Effektexperten bedient. So entstand der Eindruck, dass ein kompletter Werwolf zu sehen war.




EFFEKT-EXPERTE RICK BAKER

Für seine Leistungen in diesem Film wurde Effekt-Experte Rick Baker mit dem Oscar ausgezeichnet. Bei der 1982er Veranstaltung wurde überhaupt zum ersten Mal die Kategorie "Best Makeup" ausgezeichnet, damit ist nicht das normale Make-up gemeint, das jeder Schauspieler erhält, bevor er vor die Kamera geht, sondern eben ein besonderes, dass es nur in Filmen gibt, die eben spezielle Anforderungen haben, meistens eben Horror-Filme.

Rick Baker (geboren am 8. Dezember 1950 als Richard A.Baker in Binghamton, in New York) ist auch heute noch einer der besten Effekt-Make-up-Künstler. Baker, der seit Anfang der 70er Jahre in diesem Geschäft ist, ist aufgewachsen und zur Schule gegangen in Kalifornien, wo sich schon bald sein Interesse herausstellte: Masken und eigene Kostüme herzustellen.

Das sollte er bald zu seinem Beruf machen. Als Make-up-Künstler hat er in über 60 Filmen die Effekt-Masken oder -Kostüme hergestellt, für besondere Aufgaben, wie das Design bestimmter ungewöhnlicher Charaktere (wie etwa den "Bigfoot" in "Harry and the Hendersons") war er in über 30 Filmen zuständig und bei 13 weiteren schuf er die Spezial Effekte.

Baker war der erste, der 1982 in der neu eingeführten Sparte "Bestes Make-up" den Oscar für seine Arbeit bekam. Man kann heute Rick Baker als einen der erfolgreichsten Effekt-Künstler ansehen, was sich in seinem Fall auch in den Oscars widerspiegelt. Von 10 Nominierungen gewann Baker sechsmal den Preis, nach "An american Werewolf in London" erhielt er 1988 den Oscar für den Film "Harry and the Hendersons" ("Bigfoot und die Hendersons", 1987), des weiteren erhielt er 1995 den Oscar für seine Arbeit in "Ed Wood" (1994), dann 1997 für "The nutty Professor" ("Der verrückte Professor", 1996), 1998 für "Men in black" (1997) und 2001 für "How the Grinch stole Christmas" (2001).


DARSTELLERIN JENNY AGUTTER

Jenny Agutter (als Schwester Alex Price) spielte zwar in einigen Filmen mit, die sie in England und auch in den USA bekannt machten, doch bei uns wurde sie leider nie richtig bekannt. Die hervorragende Schauspielerin wurde am 20. Dezember 1952 im englischen Taunton (in Somerset) unter dem Namen Jennifer Ann Agutter geboren.

Sie begann schon als Kinderstar, spielte im Alter von 12 Jahren in "East of Sudan", 1968 in "Star!" oder 1970 in "The Railway Children". Ihr Debüt in den USA gab sie in einer sehr überzeugenden Leistung neben Michael York in Michael Andersons´s 1976 entstandenen "Logan´s Run" ("Flucht ins 23. Jahrhundert"). Diese Rolle half Jenny Agutter nach oben, denn der Erfolg war überwältigend.

Noch 1976 spielte Jenny Agutter in der (TV)-Neuverfilmung "The Man in the iron Mask" ("Der Mann mit der eisernen Maske") mit, einer gut umgesetzten Version des Romans von Alexandre Dumas, in der Richard Chamberlain die Hauptrolle spielte. Weitere Filme von Jenny Agutter: "Equus" ("Equus - Blinde Pferde", 1977) oder "King of the Wind" ("König der Winde"), ein amerikanisch-englischer Film aus dem Jahr 1989.

Wenn auch neuere Arbeiten von ihr bei uns fast gänzlich unbekannt ist, so hat sie doch in den letzten Jahren ständig weiter vor der Kamera gearbeitet. Sie spielte in 9 Folgen der Serie "Spooks" (2003), erschien in einigen TV- und Kinofilmen und blieb weiterhin im Fernsehe präsent. Sie war in wiederkehrenden Rollen zu sehen in "The Invisibles" (2008) oder in "Monday Monday" (2008). Zur Zeit steckt sie in der Arbeit für einen Film mit dem vorläufigen Titel "1939".




DIE FORTSETZUNG

1997 drehte Regisseur Anthony Waller die Fortsetzung: "An american Werewolf in Paris" ("American Werewolf in Paris") mit Tom Everett Scott, Julie Delpy, Vince Vieluf, Phil Buckman und Julie Bowen.

Einige Fans gefiel diese Fortsetzung ganz gut, bei mir persönlich fiel der Film durch. Nicht nur die sehr dünne Geschichte und einige zu drastische Szenen gefielen mir nicht, auch das Fehlen von echter Spannung liessen die Liste der Minuspunkte steigen.

Die Werwolf-Szenen wurden fast alle komplett am Computer erzeugt und diesen Szenen fehlten die gruselige Stimmung und düstere Atmosphäre, die gerade "The Howling" und "An american Werewolf in London" haben.


Teil 8 der “Werwolf”-Filme folgt demnächst.

Saturday, December 6, 2008

Toto


Isolation
(von 1984)

Die meisten Sänger/innen oder Bands betreten die Bühne des Showgeschäfts als Neulinge und schaffen dann ihre ersten Erfolge (wenn alles gut läuft). Bei "Toto" war dies anders; alle Musiker der Band waren in den USA schon sehr bekannt, einzeln oder zusammen.

Sie waren gefragte und vielgebuchte Studiomusiker, die davor und auch danach noch mit vielen bekannten und erfolgreichen Musikerm zusammenarbeiteten. Darunter sind Namen wie Boz Scaggs, Leo Sayer, Gary Wright, die "Doobie Brothers", Steely Dan, "Earth, Wind & Fire", Elton John, Pink Floyd, Bruce Springsteen oder Donna Summer.

"Toto" hatten 1982 in den USA einen großen Erfolg mit ihrem Album "IV". Die Singles "Rosanna" und "Africa" machten sie auch bei uns bekannt und hoben die Band aus dem Status eines Geheimtips hervor, die sie bis dahin waren.

Als 1984 "Isolation" erschien, wurden sie hierzulande richtig bekannt. Die ausgekoppelte Single "Stranger in Town" wurde zwar nicht das, was man einen Hit oder gar einen Nummer-1-Erfolg nennen konnte, dennoch erreichten sie mit diesem Lied einen Bekanntheitsgrad, wie sie ihn davor noch nicht hatten.


"ISOLATION"

Der Musikstil des Albums ist nicht leicht zu beschreiben. Rock-Musik gepaart mit vielen anderen, klassischen Instrumenten und ausgefeilten Arrangements sind der vorherrschende Stil.

In dieser Richtung ist das Eröffnungslied "Carmen", bei dem es gleich richtig zur Sache geht. Bei "Lion" stellte sich etwas Ernüchterung ein, da es nicht ganz so gelungen ist wie das erste Lied. Nummer drei ist "Stranger in Town", das auch hierzulande ein ziemlicher Single-Erfolg wurde. Noch eine Spur besser als "Carmen" und Höhepunkt der ersten LP-Seite.

Zusammen mit Lied Nr. 4, mit "Angel don't cry", auf dem es noch eine Spur schneller und rockiger zugeht. Seite 1 der LP endet mit "How does it feel", einer sehr gefühlvollen Ballade, dessen Text zwar etwas schwülstig ist, aber wem das egal ist, der kann eine musikalisch äußerst gelungene Ballade genießen, die erst nach mehrmaligen Hören ihre ganze Qualität entfaltet.

Die zweite Seite der LP ist durchgängig gut bis ausgezeichnet. Die ersten vier Lieder, "Endless", "Isolation", "Mr. Friendly" und "Change of Heart" sind vom Stil und von der Qualität her wie "Angel don't cry", nur teilweise noch eine Spur besser.

Besonders die Songs "Endless" und "Change of Heart" sind für mich die Besten der gesamten LP - hier kommt nirgends Langeweile auf. Das Abschlußlied des Albums ist "Holyanna", auf dem es weniger rockig, aber mehr melodiös zugeht. Das ist nicht als Kritik gemeint, denn auf seine Art funktioniert das Lied einwandfrei. Vom Stil und von der Qualität her ist der Song ähnlich wie "Carmen" oder "Lion", nicht so gut wie die Höhepunkte des Albums, aber auch auf keinen Fall schlecht.

"Isolation" ist für mich (neben "Turn back", 1981) das beste Album von "Toto" - jedenfalls von denen, die ich kenne. Mir sind nicht alle Arbeiten der Band bekannt, aber von denen, die ich kenne, sticht "Isolation" in jeder Hinsicht (musikalisch und produktionstechnisch) positiv heraus.


TOTO

Keyboarder David Paich (geboren am 25. Juni 1954) und Schlagzeuger Jeffrey Porcaro (geboren am 1. April 1954), beide bekannt aus gemeinsamen Schultagen in der "Grant High School" in San Fernando Valley (in Los Angeles), waren in den 70er Jahren bereits als Studiomusiker beschäftigt. Irgendwann 1977 kamen sie auf die Idee, selber eine Band zu gründen. Die übrigen Mitglieder suchten sie sich aus beinahe ebenso gefragten und begehrten Studiomusikern zusammen.

Paich und Porcaro holten sich in der folgenden Zeit den Bassisten David Hungate, Gitarristen Steve Lukather, Sänger Bobby Kimball (der als einziger nicht ganz so erfolgreich als Studiomusiker war) und als weiteren  Keyboarder fanden sie schließlich Jeffrey´s Bruder Steve Porcaro (später sollte noch weitere Mitglieder der Porcaro-Familie zur Band stoßen) - "Toto" war "geboren".

David Paich, Jeffrey Porcaro, Steve Porcaro, Steve Lukather, Bobby Kimball und David Hungate begaben sich nach der Gründung in Los Angeles in das Studio "Studio 55", wo die Aufnahmen zur Debüt-LP begannen; den Bandnamen übrigens entliehen die sechs einer Figur aus dem "Zauberer von Oz".

Die Produktion des Albums übernahm die Band selber; als Studio-Techniker und für die Mischung holten sie sich Tom Knox, der später noch öfter mit der Band zusammenarbeiten sollte. Der Musik-Stil von "Toto" war eine Mischung aus moderner Pop-Musik und klarem geradlinigen Rock. Die beiden Keyboards und Steve Lukather´s manchmal (nach schönster Hard-Rock-Manier) "sägende" E-Gitarre hoben "Toto" damals aus der Masse der vielen teilweise einheitlich klingenden Bands heraus (die damals noch gegen Ende der 70er Jahre weitesgehend nach "Disco"-Musik klangen).

Beste Beispiele dieser Kategorie sind die Lieder "Manuela run", "Angela", "I´ll supply the Love", "Hold the Line" oder das Eröfffungslied des Debüt-Albums "Toto" von 1978: "Child´s Anthem", ein herrliches Instrumental-Stück, das eigentlich nur einen  sehr großen Fehler hat: mit seinen 2,45 Minuten ist es eindeutig zu kurz!!!!!!!

Der Erfolg des ersten Albums in den USA war überwältigend, die Mischung aus Rock und Pop kam sehr gut an, bereits in der ersten Zeit wurde die LP mehr als 2 Millionen Mal verkauft, in den LP-Charts war das Album über ein Jahr lang vertreten. Die Single "Hold the Line" wurde nicht nur ein Erfolg, sondern auch so etwas wie ein Erkennungs- oder Markenzeichen für "Toto", das sich viele Jahre lang halten sollte.

Im Oktober 1978 kam "Hold the Line" als Single in den USA heraus, bei uns und in England erschien sie im Februar 1979 und erreichte einen 14. Platz (in England) bzw. einen 23. Rang bei uns. In Amerika aber erkletterte "Hold the Line" den 5. Platz.

1979 kam dann schon das nächste Album in der gleichen Besetzung heraus: "Hydra", das musikalisch aber nicht ganz an das Vorgänger-Album herankam. Im Vergleich fielen die gelungenen harmonischen Melodien und der klare Rock-Sound der ersten LP deutlich besser aus als auf der zweiten.

Es würde mir schwerfallen, irgendwelche Lieder besonders hervorzuheben - vielleicht mal abgesehen von dem Titelsong. Irgendwie funktionierte die Mischung beider Musikrichtungen auf der zweiten LP nicht so richtig, womit ich aber keineswegs sagen will, das sie mir nun gar nicht gefällt. Produziert wurde "Hydra" wieder von der Band und Tom Knox, der auch als Engineer, also als Studio-Techniker, beteiligt war.

Auch “single-mäßig” erzielten sie mit "Hydra" nicht die Erfolge, die sie aus dem ersten Album kannten. Der Song "99" erreichte als Single-A-Seite in den USA nur einen 26. Platz, von einer Plazierung in England oder in Deutschland ist mir nichts bekannt.

Dann dauerte es zwei Jahre, bis die Fans etwas Neues hörten: 1981 erschien "Turn back", die dritte LP von "Toto".  Dieses Album wurde von vielen Kritikern eigentlich ziemlich verrissen und es war auch finanziell nicht der  Erfolg, den man erwartet hatte. Keine Single aus diesem Werk, die eine höhere Position in den Charts erreichte - und dennoch ist für mich dieses Album das bis dato beste der Band.

Die Mischung aus Rock und Pop vermischt mit gelungenen Melodien funktionierte auf "Turn back" meiner Meinung nach  am besten. Neben Balladen wie "A Million Miles away" oder "If it´s the Last Night" 'dröhnen' bem Anhören der LP hard-rock-mäßige Lieder wie "Gift with a golden Gun", "English Eyes", "Live for today" oder der Titelsong "Turn back" aus den Boxen.

Es war genau die Art Mischung, die "Toto" nach ihrer ersten LP den Erfolg gebracht hatte, das melodiöse und  gekonnte Vermischen, das Heraussuchen der positiven Seiten des Rock und des Pop. Mögen auch manche Kritiker damit nichts anfangen können, mag die LP auch kein Erfolg geworden sein, für mich war sie bis dato die beste.

Auf "Turn back" spielte erstmals ein weiteres Mitglied der Porcaro-Familie mit: Joe Porcaro, der auf dem Song "If it´s the last Night" seinen Bruder Jeff an den Percussions unterstütze; Joe Porcaro spielte ab 1981 auf fast allen "Toto"-Alben als Unterstützung mit, er wurde nie ein festes Mitglied der Band, war aber an allen Aufnahmen in den 80er Jahren beteiligt.

Dann kam 1982 die LP "IV" - und aus war es mit dem schönen melodiösen Zusammenspiel von Rock und Pop-Musik, die auf "Turn back" so wundervoll funktioniert hatte, jedenfalls von meinem Standpunkt aus gesehen.

"IV" war erfolgreicher - künstlerisch und auch finanziell gesehen -, aber das Zusammenspiel der beiden Musikrichtungen gelang hier nicht mehr so gut, die Balladen hatten nun die Überhand und der Einfluß von Disco-Musik war unüberhörbar. Der typische "Toto"-Sound war zwar noch da (irgendwo) aber längst nicht so gut wie auf "Turn back".

Um es aber auch klar zu sagen: die LP ist nicht schlecht, Songs wie "Make believe", "I won´t hold you back", "Good for you", "Afraid of Love" oder "We made it" sind ohne Zweifel hörenswert und besonders natürlich die beiden Balladen "Rosanna" und "Africa", die auf ihre Art wirklich genial sind. "Africa" bescherte der Band dann auch ihre erste Nr.-1-Single in den USA.

Nur die Rock-Seite (will ich es mal nennen) blieb auf diesem Album klar auf der Strecke - und das war und ist ja nun mal die Mischung, die "Toto" bekannt machte.

Drei ziemlich erfolgreiche Singles wurden aus "IV" ausgekoppelt, "I won´t hold you back" erreichte zwar lediglich einen 33. Platz in den US-Charts, wesentlich erfolgreicher aber wurde die erste Single aus dem Album: "Rosanna", die (im April 1982 veröffentlicht) in den USA auf Platz 5 kam (in England reichte es "nur" für den 14. und bei uns für den 24. Rang). Dennoch wurde "Toto" nach diesem Erfolg auch bei uns erstmals etwas bekannter und kam endlich aus dem Schatten eines Geheimtips unter Fans heraus.

Das Lied wurde in den USA als "Platte des Jahres" ausgezeichnet, sowie als beste "vokale Pop-Darbietung des Jahres" und außerdem zum "besten instrumentalen Arrangement mit Gesang" (was auch immer das heißen mag). Die LP "IV" wurde als "beste Produktion" ausgezeichnet, außerdem die Band selber als "beste Produzenten"; insgesamt bekam "Toto" sechs Grammys für diese LP.

Die Single "Africa", die im Oktober 1982 noch veröffentlicht wurde, übertraf  "Rosanna" allerdings noch in punkto Erfolg (nicht unbedingt qualitätsmäßig, aber im Erfolg), denn am 5. Februar 1983 erreichte diese in den USA die Nummer 1 - zwar nur für eine Woche, aber immerhin. In England und bei uns kam sie bis auf einen 3. Platz (in England), bzw. den 14. Rang (bei uns).

1983/84 hatte Bassist David Hungate die Band verlassen, für ihn kam noch ein Mitglied der Porcaro-Familie: der am 29. Mai 1955 geborene Michael Porcaro. Damit war dann die erste Besetzung, die 6 (oder eben 5) Jahre und 4 LP´s zusammen war, auseinandergefallen.

Doch damit nicht genug: Sänger Bobby Kimball verließ 1984 ebenfalls die Band; ob freiwillig oder gezwungenermaßen, ist mir nicht bekannt. Schon 1985 war er wieder international dabei; als Sänger in der von Produzent Frank Farian  gegründeten Gruppe "Far Corporation", bei der übrigens auch "Toto"-Gitarrist Steve Lukather und -Keyboarder David Paich zu hören waren. Die Band hatte dann auch einen ansehnlichen Erfolg mit einer Cover-Version des "Led Zeppelin"-Songs "Stairway to Heaven".

Trotz des Sängerwechsels kam 1984 das fünfte Album von "Toto" heraus: "Isolation". Als neuen Sänger präsentierte die  Band den am 15. Mai 1951 geborenen Dennis Frederiksen.

Für alle Fans des typischen "Toto"-Stils aber sollte "Isolation" das letzte gute Album bleiben, denn 1986 erschien mit "Fahrenheit" ein Album, das die Tendenz in Richtung Disco-Musik (wie es schon auf dem 1982er "IV" angedeutet wurde) konsequent fortführen sollte. Die Lieder auf dieser und den nächsten LP´s waren zwar keine Balladen im eigentlichen Sinne, sondern mehr Pop-Songs, die man eben eher in Discotheken hören würde - und auch will - aber  bestimmt nicht auf einem "Toto"-Album.

Dementsprechend kurz ist auch die Liste der Lieder, die ich empfehlen kann:  dazu gehören "Till the End", das Eröffnungslied des Albums, "We can make it tonight", "Can´t stand it any longer" und das wirklich ziemlich gute "I´ll be over you", das auch als Single herauskam und in den USA immerhin einen 11. Platz in den Charts erreichte.

Aber sonst kann ich nicht viel Gutes über diese LP sagen, zu abrupt kam der Wechsel vom "guten alten" "Toto"-Stil zu dieser Art von Musik, die gewiß ihre Reize hat, aber die man von einer Band wie "Toto" nicht erwarten kann (und darf).

1988 erschien dann "The seventh one" (eben "das 7.") Album von "Toto", das qualitätsmäßig zwar etwas über dem letzten liegt, aber an die guten Alben der Anfangsjahre nicht herankommt. "Stop loving you", "Stay away",  "Straight for the Heart", "Only the Children" oder "Home of the Brave" kann man noch als ziemlich gelungen  ansehen, aber Lieder wie "You got me", "A thousand Years", "Mushanga" oder "These Chains"  erweckten bei mir den  sehnlichen und dringenden Wunsch, mir mal wieder die alten "Toto"-LP´s anzuhören.

Der Trend in die "Disco"-Richtung wurde zwar nicht mehr so stark ausgeführt wie auf "Fahrenheit", aber zu mancher Leute Ärger war er immer noch vorhanden.

1990 erschien dann der erste offizielle Sampler der Band: "Past to Present 1977 - 1990" und wieder gab es personelle Veränderungen: Steve Lukather, einer der Gründungsmitglieder hatte die Band verlassen und auch Sänger Joseph Williams war nach nur zwei Alben gegen Jean-Michael Byron ausgetauscht worden. Auf dem Sampler gab es dann auch nicht nur die alten Hits wie "Africa", "Hold the Line", "I´ll be over you", "Rosanna", "I won´t hold you back" oder "99", sondern auch vier neue Lieder an denen der neue Sänger als Autor und Komponist schon mitgearbeitet hatte.

"Love has the Power" wurde dann auch als Single aus dem Album veröffentlicht. Von der Art her konnten mich die neuen Lieder auf dieser LP aber auch nicht gerade vom Hocker reißen, der Weg in Richtung Experimente mag ja manchmal eine richtige Entscheidung sein, aber bei manchen Band möchte man eben gerade dies nicht; man möchte die Art Musik, die man an der Band kennt und mag.

Eine Abkehr davon kann manchmal fatale Folgen haben und so war es auch bei "Toto", dessen Abkehr von ihrem gewohnten Stil mir seit 1986 nicht mehr so richtig gefiel. Und so blieb dieses "Best of"-Album das letzte, was ich mir von "Toto" zulegte.


“TOTO” IN DEN 90ERN

1992, nach Erscheinen ihres Albums "Kingdom of Desire", verstarb völlig überraschend Schlagzeuger Jeff Porcaro im Alter von lediglich 38 Jahren am 5. August 1992 an einer Herzattacke. Viele Quellen gaben damals die Ursache seines Todes mit Drogenmißbrauch an, doch ist dies nicht wahr.

Porcaro litt an einer Herzschwäche, die bis dato nicht erkannt wurde. Als er vor seinem Tod seinen Garten mit Unkrautvernichtungsmittel behandelt hatte, musste er davon zuviel eingeatmet haben und sein Herz hatte dies nicht verkraftet.

Jeff Porcaro hinterließ eine Ehefrau Susan Norris (damals Nachrichtensprecherin in Los Angeles) und seine Söhne Christopher Joseph (geboren 1984), Miles Edwin Crawford (geboren 1986) und Nico Hendrix (geboren 1991).

"Toto" standen damals kurz vor dem Aus, bis man in Simon Phillips Ersatz für Porcaro gefunden hatte. Phillips ist auch bei uns bekannt durch seine Zusammenarbeit Anfang der 80er Jahre mit dem Multi-Instrumentalisten Mike Oldfield. Phillips ist erstmals auf dem 1995er Album "Tambu" zu hören. 1997 kehrte Sänger Bobby Kimball wieder zur Band zurück und "Toto" blieb die nächsten Jahre aktiv. An Alben erschienen aber nicht mehr viele; neben diversen Samplern und Live-Alben gab es bis heute nur noch drei weitere Studio-Alben: "Mindfields" (1999), "Through the looking Glass" (2002) und "Falling in between" (2006).


DISCOGRAPHIE

1978: Toto
1979: Hydra
1981: Turn back
1982: IV
1984: Dune (Film Soundtrack)
1984: Isolation
1986: Fahrenheit
1988: The seventh one
1990: Past to Present 1977 - 1980 (Sampler)
1992: Kingdom of Desire
1993: Absolutely live (Live-Album)
1995: Tambu
1998: Toto XX (Sampler)
1999: Mindfields
1999: Livefields (Live-Album)
2001: Super Hits (Sampler)
2002: Through the looking Glass
2003: Live in Amsterdam (Live-Album)
2003: Greatest Hits... and more (Sampler)
2006: Falling in between
2007: Falling in between Live (Live-Album)
2008: The Collection (Sampler)

Friday, December 5, 2008

Vera Cruz


”Vera Cruz”

Inhalt: Der Abenteurer Joe Erin lernt eines Tages den ehemaligen Südstaaten Major Benjamin Trane kennen. Nach Zusammenstössen mit der Armee werden beide von Kaiser Maximillian an seinen Hof eingeladen.

Dort bekommen sie einen für sie lukrativen Auftrag. Sie sollen die Gräfin Marie Duvarre in ihrer Kutsche sicher nach Vera Cruz bringen. Doch beide ahnen bald, dass da mehr dahinter steckt.

Sie finden heraus, dass in der Kutsche der Gräfin mehrere Millionen Dollar in Gold sind und die sind es, die der Kaiser in Sicherheit haben will. Trane und Erin machen sich mit ihren Leuten auf den Weg, der unterwegs viele Gefahren für sie alle bringt. Nicht nur von ihren Feinden, sondern auch aus den eigenen Reihen.

USA, 1954
Original-Titel: VERA CRUZ

Darsteller:
Gary Cooper (Benjamin Trane)
Burt Lancaster (Joe Erin)
Denise Darcel (Gräfin Marie Duvarre)
Cesar Romero (Marquis Henri de Labordere)
Sarita Montiel (Nina)
George Macready (Kaiser Maximillian)
Jack Elam (Tex)
Ernest Borgnine (Donnegan)
Morris Ankrum (General Ramirez)

Drehbuch: Roland Kibbee und James R.Webb
Story: Borden Chase
Co-Produzenten: Harold Hecht, Burt Lancaster (beide im Vorspann ungenannt)
Produzent: James Hill
Regie: Robert Aldrich


HINTER DEN KULISSEN

Manche Western beziehen ihren Reiz dadurch, dass die Geschichte an einem Ort spielt und nur an einem Ort. Andere Filme dieses Genres aber werden dadurch interessant, dass ihre Geschichte sie immer weiter vorwärts treibt - so ist es auch bei "Vera Cruz".

Nachdem die beiden Helden sich kennengelernt haben, bekommen sie schon einen Auftrag, der sie gemeinsam durch die Gegend führt - einem bestimmten Ziel zu. Nur dass jeder der beiden "Helden" sein eigenes Ziel hat und der Zuschauer bald nicht mehr weiß, wer ist denn nun eigentlich der Held und wer der Oberbösewicht?

Auch das macht den Reiz (speziell) dieses Films aus, weil hier auch der strahlende Held keineswegs so strahlend ist und auch er anscheinend einiges auf dem Kerbholz hat.


ABSCHLIESSEND

All das zusammen mit den teils wirklich großartigen Darstellern, der gesamten gelungenen Umsetzung und den immer wieder eingebauten Landschaftsbildern machen "Vera Cruz" zu einem sehr guten Beispiel aus der Kategorie "Western".



GARY COOPER

Gary Cooper (geboren am 7. Mai 1901 in Helena, im US-Bundesstaat Montana) war in der Anfangszeit des Films das, was man heute einen Super-Star oder Mega-Star nennen würde. Er war ein Kassengarant und viele seiner Filme sind heute noch Musterbeispiele ihrer jeweiligen Genres.

Er begann Ende der 20er Jahre als Nebendarsteller und arbeitete sich in den nächsten Jahren immer weiter hoch. Cooper wurde fünfmal für den Oscar nominiert und gewann ihn zweimal. Seine erste Nominierung erhielt er 1937 für seine Leistung in Frank Capra´s "Mr. Deeds goes to Town" ("Mr. Deeds geht in die Stadt"). Den ersten Oscar erhielt er dann 1942 für "Sergeant York" ("Sergeant York", 1941). Weitere Nominierungen bekam er 1943 für "The Pride of the Yankees" ("Der große Wurf", 1942) von Sam Wood und 1944 für "For whom the Bell tolls" ("Wem die Stunde schlägt", 1943), erneut von Sam Wood.

Aber erst 1953 bekam Cooper seinen zweiten Oscar - für seine (Glanz!!)-Leistung als Sheriff Will Kane in Fred Zinnemann´s Western-Klassiker "High Noon" ("Zwölf Uhr mittags", 1952), der auch für Gegner des Western ein Film ist, den man sich ansehen kann. 1961 wurde Gary Cooper mit einem Ehren-Oscar für sein Lebenswerk ausgezeichnet, wegen seiner Krankheit konnte er den Preis aber nicht mehr selber entgegen nehmen. Der Schauspieler verstarb im Alter von 60 Jahren (sechs Tage nach seinem Geburtstag) am 13. Mai 1961 in Beverly Hills, Kalifornien, an Krebs.



VERACRUZ

Im Film sollen die beiden Helden die Kutsche mit der Gräfin (und dem Gold) nach Vera Cruz in Sicherheit bringen. Veracruz als Stadt gibt es aber wirklich, sie ist keine Erfindung der Drehbuch-Autoren. Sie liegt an der atlantischen Küste Mexikos im Bundesstaat Veracruz, dieses Wort kann man mit "wahres Kreuz" übersetzen.

Die Stadt entstand als "Ableger" sozusagen der Siedlung Villa Rica de la Vera Cruz, die 1519 von Hernan Cortes gegründet wurde. Ab dem 16. Jahrhundert wurde sie ein wichtiger und großer Exporthafen. Heute ist die Stadt u.a. der Sitz des römisch-katholischen Bistums.



TV Tipp Vera Cruz02
TV Tipp Vera Cruz03
“Vera Cruz” ist auf DVD in verschiedenen Varianten erhältlich; so wie hier….
….oder hier in einer Sonder-Edition, in der bereits viele Klassisker erschienen sind.

Thursday, December 4, 2008

Der einzige Zeuge

TV Tipp Der einzige Zeuge01

”Der einzige Zeuge”

Inhalt: Rachel Lapp kommt mit ihrem Sohn nach Philadelphia, wo ihr Sohn Samuel auf einer öffentlichen Toilette als einziger Zeuge einen Mord beobachtet. Der ermittelnde Beamte Detective Book befragt den Jungen einfühlsam und die Ermittlungen beginnen.

Mutter und Sohn helfen Book bei seiner Arbeit, doch bald stellt sich heraus, dass die Täter von dem Zeugen wissen. Der Junge ist auf einmal in akuter Gefahr. John Book fährt mit Rachel und ihrem Sohn zu den beiden nach hause, sie leben bei den Amish-Leuten. Book beschliesst bis zum Prozess bei den beiden zu bleiben, um sie vor den Mördern schützen zu können.

Um nicht gleich als Polizist aufzufallen, lebt und arbeitet der Großstadt-Polizist John Book unter den Amish-Leuten und gewöhnt sich langsam an das Leben dort und an Rachel Lapp. Solange, bis die Mörder das Versteck des Zeugen gefunden haben.




USA, 1984, 85
Original-Titel: WITNESS

Darsteller:
  • Harrison Ford (Detective John Book)
  • Kelly McGillis (Rachel Lapp)
  • Josef Sommer (Chief Paul Schaeffer)
  • Lukas Haas (Samuel Lapp)
  • Jan Rubes (Eli Lapp)
  • Alexander Godunov (Daniel Hochleitner)
  • Danny Glover (Detective James McFee)
  • Brent Jennings (Detective Elden Carter)
  • Patt LuPone (Elaine)

Drehbuch: Earl W.Wallace & William Kelley
Story: William Kelley und Pamela Wallace & Earl W.Wallace
Co-Produzent: David Bombyk
Produzent: Edward S.Feldman
Regie: Peter Weir



HINTER DEN KULISSEN


Peter Weir´s "Witness" ("Der einzige Zeuge") ist kein Action-Film und wer auch immer sich diesen Film mit dieser Erwartung ansehen wird, wird enttäuscht werden. Es ist ein eindringlicher und interessanter Film, der mittels einer gelungenen Geschichte, hervorragenden Darstellern und einer ausgezeichnet gefilmten Landschaft seine Zuschauer zu begeistern weiß, aber es ist eben kein Action-Film.

Nicht umsonst gelang Harrison Ford, der bis zu diesem Film meist in Action- ("Indiana Jones")-Filmen oder Science Fiction-Werken ("Star Wars") Bekanntheit erlangte, mit "Witness" der letzte Sprung vom erfolgreichen Schauspieler zum Charakterdarsteller und zum weltweit gefeierten Superstar.

Achtmal wurde "Witness" 1986 bei der Oscar-Verleihung nominiert, doch nur zweimal gewann der Film den Preis: William Kelley, Pamela Wallace und Earl W.Wallace bekamen den Preis für das beste Drehbuch und Thom Noble wurde für den besten Schnitt ausgezeichnet.

Harrison Ford bekam hier seine erste und (bis heute!) einzigste Oscar-Nominierung, er verlor aber gegen William Hurt, der den Oscar für seine Leistung in "Kiss of the Spider Woman" ("Der Kuß der Spinnenfrau", 1985) bekam.

Die anderen Nominierten waren John Searle (Kamera), Stan Jolley und John H.Anderson (Ausstattung), Maurice Jarre (Musik), Peter Weir (Regie) und Edward S.Feldman für den besten Film des Jahres. Alle diese Genannten verloren gegen Sydney Pollack's Drama "Out of Afrcia" ("Jenseits von Afrika", 1985), der 1986 elfmal für den Oscar nominiert wurde und siebenmal davon auch gewann.




HARRISON FORD


Ford gilt als einer der erfolgreichsten Schauspieler der Welt. In den 80er Jahren war er zeitweise bei 6 Filmen dabei, die zu den (finanziell gesehen) erfolgreichsten Filmen aller Zeiten gehörten - das waren die "Star Wars"-Filme und die Reihe um den Abenteuer-Archäologen "Indiana Jones".

Ford hatte auch in einer Cameo-Rolle (als Lehrer) in "E.T." mitgespielt, doch wurde diese Szene vor dem endgültigen Start  wieder herausgeschnitten, sonst wäre er in noch mehr erfolgreichen Filmen zu sehen gewesen.

Die Karriere von Harrison Ford (geboren am 13. Juli 1942, in Chicago, Illinois) als Schauspieler begann sehr zäh und anstrengend. Nach ersten (ungenannten) Rollen in Filmen wie "Dead Heat on a Merry-Go-Round" (1966) oder "Luv" (1967) gewann er etwas Aufmerksamkeit durch mehrere Gast-Rollen in TV-Serien wie "The Virginian" (1967), "Ironside" ("Der Chef", 1967), "Journey to Shiloh" (1968), "The Mod Squad" (1968), "The F.B.I." (1969), "Dan August" (1971) und "Gunsmoke" ("Rauchende Colts", 1972 und 1973), bevor dann erste Kino-Erfahrung mit George Lucas´ "American Graffiti" (1973) kam.

Der Film wurde zwar ein Erfolg, aber nur bei Cineasten, dem großen Publikum blieb er bis heute stellenweise unbekannt. Ford´s Situation sollte sich auch in den nächsten Jahren nicht großartitg ändern, er spielte zwar weiterhin Rollen in Filmen wie "Judgment: The Court Material of Lieutenant  William Calley" (1975),  "Dynasty" (1976) oder "The Possessed" (1977) und war weiterhin als Gast in TV-Serien zu sehen wie in "Kung Fu" (1974) oder "Petrocelli" (1974) doch reichte das nicht aus, um für sich und seine Familie den Lebensunterhalt zu verdienen.

So brachte er sich selber das Schreinern bei und wurde in diesem Beruf bald so gut, das er reichlich Aufträge und Arbeit bekam und es ihm irgendwann egal war, ob er noch als Schauspieler den Durchbruch schaffen würde oder nicht. Inzwischen reichte sein anfängliches Hobby leicht dazu aus, davon leben zu können. Im Film "Der einzige Zeuge" arbeitet Ford ebenfalls als Schreiner, die Kenntnisse dazu hatte er damals schon längst.

Und dann kam "Star Wars" ("Krieg der Sterne", 1977), der der Beginn seiner Karriere war, die ihn heute zu einem der bekanntesten und erfolgreichsten Darsteller Hollywoods macht. Längst spielte er außer seinen berühmten Film-Rollen als Han Solo aus "Star Wars" (1977, 1980 und 1983) oder Indiana Jones (1981, 1984, 1989 und 2008 viele andere abwechslungsreiche Rollen in verschiedenen Genres - eine davon war 1984, 85 auch "Witness".




KELLY McGILLIS


Die Rolle der Amish-Frau Rachel Lapp war für Kelly McGillis (geboren am 9. Juli 1957 im kalifornischen Newport Beach) der erste internationale Erfolg. Bald danach kam der Part in "Top Gun" ("Top Gun", 1986), der sie nicht nur in den USA berühmt machen sollte.

Danach spielte sie in Filmen wie "Made in Heaven" (1987), "The House on Carroll Street" ("Das Haus in der Carroll Street", 1988), "The Accused" ("Angeklagt", 1988), "Winter People" (1989) oder "Cat Chaser" (1989), bis sie dann bei uns zumindest immer mehr in der Versenkung verschwand. In den USA ist sie sporadisch noch bis heute in Film und Fernsehen zu sehen.




DIE AMISH-LEUTE


Die Amish (hierzulande auch Amisch) sind eine religiöse Gemeinschaft, die sich 1693 von der Mennonitengemeine abgekapselt hat
und seitdem allein lebt. Diese Menschen lehnen Fortschritt fast jeglicher Art rigoros ab und nehmen Neuerungen erst nach intensiven Studien an. Sie leben in den USA heute in 26 Staaten.

Der Name "Amisch" entstand aus dem Gründernamen, von Jakob Amisch, der sich 1693 mit einer Gruppe Anhänger von den Mennoniten löste. Die Wurzeln dieser Menschen liegen in der Schweiz und in Deutschland.



FILME ÜBER DIE AMISCH


"Der einzige Zeuge" war einer der ersten Filme, die sich mit den Amish-Leuten beschäftigte, später kamen dann noch weitere, wurden aber nicht so bekannt - bei uns zumindest, da manche dieser Arbeiten nur TV-Filme waren. Filme wie der 1988 entstandene TV-Film "A Stoning in Fulham County" ("Gebot des Schweigens"), in dem es um den versehentlichen Tod eines Amish-Jungen geht.

In "Harvest of Fire" ("Die Glut der Gewalt", 1996), ebenfalls einem TV-Film, geht es um eine Polizistin, die in der Amish-Gemeinde ermittelt. Etwas bekannter ist auch bei uns die Komödie "For richer or poorer" ("Zum Teufel mit den Millionen", 1997), in dem Komiker Tim Allen mit seiner Frau (Kirstie Alley) vor der Steuerfahndung auf der Flucht ist und Unterschlupf in einer Amish-Gemeinde findet. Tim Allen ist auch bei uns bekannt aus der von 1991 bis 1999 laufenden TV-Serie "Home Improvement", die bei uns den albernen Titel "Hör mal, wer da hämmnert bekam".

Weitere Filme waren die deutsche Produktion "David im Wunderland" (1998) und der 2004 produzierte, amerikanische TV-Film "Plain Truth" ("Mord im Schilf"), in dem eine 18jährige, ledige Mutter eines Verbrechens angeklagt ist.


TV Tipp Der einzige Zeuge02
TV Tipp Der einzige Zeuge03
Seit kurzem gibt es den Film auch auf DVD zu kaufen; wie hier.
Dies ist die “Special Collectors Edition” mit Extras wie einem “Making of” u.a.

Wednesday, December 3, 2008

Neue Kinofilme: Madagascar 2


MADAGASCAR: ESCAPE 2 AFRICA
USA, 2006 – 2008


BRD-Kinostart: 4 Dezember 2008



Am 27. Mai 2005 startete in den amerikanischen Kinos der Animationsfilm "Madagascar" (2003 - 2005), der sich schnell seine Fans eroberte und auch über die Grenzen der USA hinaus bekannt wurde.

Bei uns lief der Film unter dem Titel "Madagaskar" (relativ schnell) ab dem 14. Juli 2005 in den Kinos und wurde auch hier bekannt und beliebt.

Das produzierende Studio (Steven Spielberg's "DreamWorks") konnte schnell ziemlich hohe Gewinne einfahren. Bis zum Oktober belief sich das Einspielergebnis allein in den USA bereits auf 193,1 Millionen Dollar - bei einem Budget von ca. 75 Millionen Dollar.


Dass bei solchen Summen über eine Fortsetzung nachgedacht wurde, war klar und es war eigentlich keine Frage mehr, ob eine Fortsetzung kommt, sondern wann sie kommt.

Diese Frage ist nun beantwortet: vor knapp einem Monat, am 7. November, startete in den USA "Madagascar: Escape 2 Africa" ("Madagascar 2", 2006 - 2008). Der Film wird bei uns ab dem 4. Dezember in den Kinos zu sehen sein.

Der Erfolg scheint auch der Fortsetzung in den USA treu zu bleiben. Die Zuschauer liessen bis Ende November schon an die 140 Millionen Dollar Einnahmen auflaufen und das, obwohl der Film dort noch nicht mal einen Monat gelaufen ist.

Die Szenen, die man hierzulande schon als Vorschau sehen kann, läßt einiges an Erwartungen aufkommen. Sie sind vielversprechend und machen einfach nur Lust auf mehr.

In der Fortsetzung verlassen die vier "Reisegefährten" Alex (der Löwe), Marty (das Zebra), Melman (die Giraffe) und Gloria (das Nilpferd) Afrika, um wieder nach Hause nach New York zu fliegen. Unterwegs stürzt ihr Flugzeug aber in einer Bruchlandung ab und das Abenteuer kann losgehen.

In der Original-Version sind in der Fortsetzung wieder dieselben Sprecher zu hören, wie im ersten Teil: Ben Stiller als Alex, Chris Rock als Marty, David Schwimmer als Melman und Jada Pinkett Smith als Gloria. Bei uns waren die Sprecher Jan Josef Liefers (Alex), Rick Kavanian (Marty), Bastian Pastewka und Claudia Urbschat als Gloria. Soweit man bisher erfahren kann, soll es auch in der deutschen Synchro so ziemlich dieselben Sprecher wieder zu hören geben.

Produziert wurde die Fortsetzung wiederrum von "DreamWorks" und mit Eric Darnell und Tom McGrath sind auch wieder dieselben Regisseure an Bord.

Das Drehbuch stammte für die Fortsetzung aber von einem anderen als beim ersten Teil. Den ersten Film schrieben Mark Burton & Billy Frolick und die beiden Regisseure Eric Darnell und Tom McGrath. Die Fortsetzung lag allein in den Händen von Etan Cohen. Der 1974 geborene Cohen hatte seine Laufbahn als Autor bei der Fernseh-Serie "Beavis and Butt-Head" begonnen, für die aber nur zwei Episoden schrieb.

Mir persönlich gefiel "Madagascar" Teil 1 ganz gut, er kam zwar nicht an Filme wie "Ice Age" ("Ice Age") oder "Ab durch die Hecke" ("Over the Hedge") heran. Trotzdem: der Film findet schnell seine (interessierten) Zuschauer und kann die knapp eineinhalb Stunden lang gut bis sehr gut unterhalten.

Der Weg für die Fortsetzung ist frei und die Aussichten sind ziemlich gut. Lassen wir uns also überraschen - ab morgen im Kino.


Film Tipp Madagascar 2 02
Bereits erhältlich ist der Soundtrack zum Film….

Tuesday, December 2, 2008

Moby Dick


”Moby Dick”

Inhalt: Der Matrose Ismael kommt eines Tages in dem Küstenort New Bedford an. Er ist auf der Suche nach einer neuen Arbeit auf See. In einem Gasthaus will er sich einquartieren, doch ist dieses so überfüllt, dass er sich ein Zimmer mit einem ihm unbekannten Mann teilen muss.

Dieser Mann ist ein Fremder aus einer ihm unbekannten Welt im Süden mit Namen Queequeg. Nach anfänglichem Unbehagen werden die beiden Freunde und beschliessen, gemeinsam auf einem Walfänger anzuheuern.

Sie werden schließlich auf dem Walfängerschiff "Pequod" angeheuert, auf dem Kapitän Ahab das Kommando führt. Über Ahab sind viele Gerüchte unterwegs, die den beiden auch zu Ohren kommen. Dennoch mustern sie auf dem Schiff an und die Reise beginnt.

Unterwegs erst lernen sie Kapitän Ahab kennen, der zwar auf Walfang ist, aber auch einen bestimmten, weißen Wal sucht. Diesem Wal schiebt Ahab die Schuld am Verlust eines seiner Beine zu und seitdem ist er besessen davon, diesen Wal zu finden. Nach einer Ansprache an die Mannschaft erklärt Ahab die Jagd auf "Moby Dick" für eröffnet.

England, 1954 - 1956
Original-Titel: MOBY DICK

Darsteller:
Gregory Peck (Captain Ahab)
Richard Basehart (Ishmael)
Leo Genn (Starbuck)
James Robertson Justice (Captain Boomer)
Harry Andrews (Stubb)
Noel Purcell (Schiffs-Zimmermann)
Friedrich Ledebur (Queequeg)

Drehbuch: Ray Bradbury & John Huston (sowie Norman Corwin, der im Vorspann ungenannt blieb)
nach dem Roman "Moby-Dick; or, The Whale") von Herman Melville
Co-Produzent: Vaughan N.Dean
Produzent und Regie: John Huston



HINTER DEN KULISSEN

Bereits 1951 begann John Huston das Skript, geschrieben von Ray Bradbury und ihm selber, verschiedenen Studios anzubieten, doch alle lehnten ab, bis 1954 endlich "Warner Bros." zusagte, aber auch nur unter der Bedingung, das ein großer Star die Hauptrolle spielen würde, der sich dann in Peck fand.

Man rechnete sich für "Moby Dick" keine hohen Gewinnchancen aus, die Story war sehr gefühlsbetont und irgendwie auch düster und pessimistisch, es gab - gemäß der literarischen Vorlage - keine weibliche Rolle und somit auch keine Liebesgeschichte, die damals bei fast allen Filmen nun mal Pflicht war.

Als Ahab war zu Anfang Walter Huston, John Huston´s Vater, vorgesehen, doch als die Produktion endlich losgehen konnte, war dieser bereits verstorben. Orson Welles, den Huston dann wollte, zeigte kein Interesse und so kam dann Gregory Peck ins Spiel. Welles spielte letztlich im Film die Rolle des Reverend Mapple.

Gregory Peck spielte die Rolle von Captain Ahab in "Moby Dick", was ihm viele zusätzliche Fans einbrachte. Viele waren damals (und sind es eigentlich auch heute noch) der Meinung, das Peck für die Rolle fehlbesetzt war; er selber soll gesagt haben, das Regisseur John Huston eine viel bessere Besetzung für den Part gewesen wäre, sich selber fand er in der Rolle zeitlebens nie richtig besetzt.

Dieser Ansicht schließe ich mich aber nicht an; für mich war und ist Peck eine hervorragende Besetzung für den besessenen Ahab. Die Art, wie er Ahab in gefühlsbetonten Szenen spielt, ist für mich ein Musterbeispiel für seine Art der Schauspielerei.



DER FILM

Begonnen wurde der Film dann schon im Jahre 1954 an einigen Originalschausplätzen in Wales, Irland (wo der kleine Küstenort für den Film nachgebaut wurde), im Atlantischen Ozean, vor den Kanarischen Inseln, aber auch in Nantucket oder New Bedford, beides gelegen in Massachusetts.

Die Innenaufnahmen fanden in den "Associated British Elstree Studios" in Borehamwood statt. Im Film sieht es so aus, als ob nach der ersten dreiviertel Stunde fast alles auf See gedreht wurde, doch das stimmt nicht; über zwei Drittel des Films besteht aus Innenaufnahmen, die dann im Studio in Borehamwood abgedreht wurden.

Der "Moby Dick" im Film war für Totalaufnahmen ein 30 Tonnen schweres Ungetüm, bestehend aus einem Eisenrahmen, der mit einer Gummihaut überzogen wurde und innen durch eine ausgefeilte Mechanik teilweise beweglich war. Da man das Monster im Wasser benutzte, waren Ausfälle und Störungen der Mechanik vorprogrammiert und die ständigen Reparaturen an dem Ding sorgten mit dafür, das das Budget "ein wenig" überzogen wurde. Die Gesamtkosten beliefen sich am Ende auf 5 Millionen Dollar und das war 1954, 55 für einen Film viel - zu viel.

Die Befürchtungen "Warner Bros." sollten sich letztlich auch bestätigen: finanziell gesehen jedenfalls wurde der Film damals nicht so erfolgreich, wie man es sich erhofft hatte. Obwohl man von einem Flop hier auch nicht reden kann. Bei einem Budget von 4,5 Millionen Dollar (was damals eine Menge Geld war) spielte der Film allein in den USA an die 10 Millionen wieder ein.



HERMAN MELVILLE

Beinahe überall auf der Welt ist Herman Melville durch seinen Roman "Moby Dick", der 1851 erstmals erschien, bekannt und berühmt geworden. Als Herman Melvill wurde der Autor am 1. August 1819 in New York als drittes von acht Kindern von Allan Melvill und seiner holländischen Ehefrau Maria Gansevoort Melvill geboren. Der Vater, der ein Geschäft in New York betrieb, mußte bald aufgeben und ging 1830 in Konkurs; danach versuchte er sich als Angestellter. Er starb 1832, ein Jahr, nachdem Herman die Schule verlassen hatte. Ab da änderte seine Mutter ihren Nachnamen in Melville.

Herman wurde in verschiedenen Tätigkeiten aktiv, so war er Aushilfe in einer Bank, arbeitete auf einer Farm und verdiente sich auch etwas im Pelzgeschäft, das sein Bruder führte, außerdem war er als Kabinenjunge auf einem Schiff tätig, das die Linie New York - Liverpool fuhr (1839) und er war als Lehrer beschäftigt, doch all diese Ausflüge in verschiedene Berufe waren nicht das Richtige für ihn, das wurde ihm wohl bald klar, so das er die Lehrerstellung, die er als letztes hatte, 1840 wieder aufgab.

Anfang 1841 war er in Nantucket, dem Walfänger-"Eldorado" in Amerika, und ließ sich auf einem Walfängerschiff anheuern. Doch stellte er bald fest, dass das Leben auf See nicht das richtige für ihn war. Er verbrachte die nächsten Jahre dann damit, auf verschiedenen Inseln zu leben, wobei es wohl allem Anschein nach nicht immer streng nach den Buchstaben des Gesetzes zuging.

Er blieb hin und wieder auch noch auf See, denn die Seefahrt hatte ihm noch einiges zu bieten, aber von den Walfängern wollte er nichts mehr wissen, so wurde er Matrose auf dem US-Schiff "United States", einer Fregatte, die damals auf Hawaii vor Anker lag. Nach dieser Anmusterung endetete seine Zeit auf See vorerst im Oktober 1844, als das Schiff in den Hafen von Boston einfuhr, wo Melville es für immer verließ.


Danach begann er dann bald, erste schriftstellerische Versuche zu unternehmen und 1846 erschien sein erstes Buch: "Typee" ("Taipi"), in dem er auch seine Zeit auf der Insel Nukuhiva verarbeitete. Diese Geschichte sollte er noch einmal überarbeiten, so erschien 1849 unter dem neuen Titel "Mardi" dann eine umfangreichere Fassung. Auch seine Zeit auf Tahiti ließ Melville in einen Roman einfließen, den er 1847 als "Omoo" veröffentlichte.

Daran schien er Gefallen gefunden zu haben, denn auch seine weiteren Erlebnisse wurden in Buchform veröffentlicht; in "Redburn" (1849) sind autobiographische Züge seiner Zeit als Kabinenjunge zu lesen und in "White Jacket or the World in a Man-of-War" läßt er Erlebnisse der Zeit einfließen, die er auf dem Schiff "United States" verbrachte.

Sein größter Erfolg, "Moby Dick", war bereits 1850 vollendet worden, erschien aber erst 1851 und zunächst in England unter dem Titel "The Whale" in drei Bänden - das Buch übrigens widmete er seinem Schriftsteller-Kollegen Nathaniel Hawthorne, erst später wurde der Roman in "Moby Dick" umbenannt.

Das Buch war in den ersten Jahren alles andere als ein Erfolg und um seine Familie durchbringen zu können, musste er einer reguläre Arbeit annehmen, er arbeitete lange als Zollinspektor. Zu seinen Lebzeiten wurden seine schriftstellerischen Arbeiten so gut wie gar nicht gewürdigt. Von seinem Gedicht "Clarel", zum Beispiel, das er 1876 verfaßte wurden 300 Exemplare gedruckt und fast alle mußten wieder eingestampft werden, weil sie kein Mensch kaufen wollte.


Herman Melville starb im Alter von 72 Jahren am 28. September 1891 in New York an einer Herzattacke. Sein Werk geriet später sogar so sehr in den Hintergrund, das es schon beinahe vergessen wurde. Sein Roman "Moby Dick" wurde beispielsweise in der Bibliothek der "Yale University" lediglich in der Rubrik "Wissenschaft der Wale" geführt. Es dauerte bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhundert, als Menschen wie Carl van Doren, Lewis Mumford oder Raymond Weaver mithalfen, das literarische Werk von Melville wieder ans Tageslicht zu holen. In den nächsten Jahrzehnten gelangte er dann zu dem Ruf eines herausragenden und bedeutenden Schriftsteller, den er heute noch immer hat.


FRÜHERE VERFILMUNGEN
Die "Moby Dick"-Version von 1956 ist keineswegs die erste, bereits davor gab es welche, so auch noch als Stummfilm unter dem Titel "The Sea Beast" (1925, 26). Drehbuch-Autor Millard Webb adaptierte Teile des Romans (nicht alle) für seinen Film, den er eben mit voller Absicht nicht "Moby Dick" nannte, da hier doch einige Dinge so im Roman nicht vorkommen. Captain Ahab ist in dieser Version sehr viel heldenhafter eingestellt als im Buch und in der Version mit Gregory Peck.

Außerdem in diesem Film neu ist ein langfristiger und unerbittlicher Streit zwischen Brüdern und eine Romanze mit der weiblichen Hauptdarstellerin, mit Dolores Costello - im Buch sowie in der 1956er Version gibt es keine weibliche Protagonistin und auch keine weitere Nebenhandlung.

Im Amerika der 20er Jahre konnte es aber einen Film ohne Romanze nicht geben, das war undenkbar. Auch noch in den 50er Jahren, als die Version mit Gregory Peck entstand, war es ungewöhnlich, das ein Film ohne weibliche Darstellerin auskam - es für die Zuschauer also keine Liebesbeziehung mit entsprechendem Happy-End gab.

Die zweite filmische Version der Geschichte entfernt sich ebenso weit vom Original: Ahab (erneut von John Barrymore verkörpert) ist in "Moby Dick" (1930) von Lloyd Bacon ein ziemlich übler Zeitgenosse, der unbedingt Faith Mapple (Joan Bennett) haben will, doch die will nichts von ihm wissen.

Auf seiner nächsten Reise kommt es zum Zusammenstoß mit "Moby Dick", bei dem er ein Bein verliert. Als er wieder zuhause ist, meint er nun Faith will wegen seiner Behinderung nichts mehr von ihm wissen und fährt erneut zur See, um Moby Dick zu finden.

Grundsätzlich ist die Handlung des Buches ja schon da, aber in einer völlig verkehrten Ausgangssituation. Die Motivation des Anti-Helden ist hier gänzlich auf den Kopf gestellt und auch hier kommt wieder - im Gegensatz zum Original und zur 1956er Version - eine weibliche Protagonisten hinzu.



NEUERE VERFILMUNGEN

1997, 98 entstand unter der Regie von Franc Roddam ein TV-Remake, das unter dem Titel "Moby Dick" erschien, auch bei uns lief es unter diesem Titel. In der Neuverfilmung spielte nun Patrick Stewart die Rolle des Ahab, Stewart ist natürlich bekannt als Captain Picard aus der Serie "Star Trek: The next Generation".

Die weiteren Rollen wurden besetzt mit Henry Thomas als Ishmael, Piripi Waretini als Queequeg, Bruce Spence als Elijah, Hugh Keays-Byrne als Mr. Stubb und in einer Cameo-Rolle Gregory Peck als Pater Mapple. In den USA lief dieser Film als Dreiteiler von jeweils 60 Minuten, bei uns als Zweiteiler.

Auf einigen Internet-Seiten ist bereits verkündet, dass für 2011 ein Remake von "Moby Dick" angekündigt ist. Aber – selbst, wenn sich das bewahrheiten sollte - ist das noch Zukunftsmusik.


TV Tipp Moby Dick02
Die 1956er Version von “Moby Dick” von Regisseur John Huston, erhältlich auf DVD hier.
TV Tipp Moby Dick03
Auch das TV-Remake von 1998 ist als DVD erhältlich, wie auch hier.


Monday, December 1, 2008

Fahrkarte ins Jenseits

"Fahrkarte ins Jenseits"

Inhalt: Nach langer Suche findet der ehemalige Farmer Bart Allison endlich die Spur seines Feindes Tate Kimbrough. Er macht diesen für den Selbstmord seiner Frau verantwortlich zu einer Zeit, als Allison nicht auf seiner Farm war.

Mit seinem Freund Sam begibt er sich in die kleine Stadt Sundown, die Kimbrough mit Geld und Gewalt unter seiner Kontrolle gebracht hat. Allison taucht gerade in dem Moment auf, als Kimbrough mit seiner Verlobten vor den Traualtar treten will.

Als seine Verlobte erfahren hat, warum Allison hinter ihrem zukünftigen Ehemann her ist, verschiebt sie die Heirat, bis die Sache geklärt ist und sie weiss, ob Kimbrough wirklich schuldig ist oder nicht.

Nachdem Allison die Trauung hat platzen lassen, werden er und Sam von Kimbrough's Leuten verfolgt und in einem Stall umzingelt. Die beiden versuchen sich, gegen die Angreifer zu verteidigen.

Nach und nach regt sich Widerstand in der Stadt gegen die Willkür von Kimbrough und die Bürger helfen Allison, aber erst nachdem sein Freund Sam hinterrücks erschossen worden ist. Kimbrough muss sich Allison nun alleine stellen.


USA, 1957
Original-Titel: DECISION AT SUNDOWN

Darsteller:
Randolph Scott (Bart Allison)
John Carroll (Tate Kimbrough)
Karen Steele (Lucy Summerton)
Valerie French (Ruby James)
Noah Beery (Sam)
John Archer (Dr. John Storrow)
Andrew Duggan (Sheriff Swede Hansen)

Drehbuch: Charles Lang (nach einer Story von Vernon L.Fluharty)
Produzent: Harry Joe Brown
Regie: Budd Boetticher


HINTER DEN KULISSEN

Western-Darsteller Randolph Scott wurde leider nie so berühmt wie beispielsweise John Wayne. Dennoch spielte er in so manchen Filmen mit, die heute unter Western-Fans längst schon als Vorzeige-Klassiker des Genres gelten - und das völlig zu Recht.

Ein solcher Film ist auch der 1957 entstandene "Desicion at Sundown", der bei uns unter dem Titel "Fahrkarte ins Jenseits" in die Kinos kam.

Es ist einer von mehreren Filmen, die Hauptdarsteller Randolph Scott zusammen mit Regisseur Budd Boetticher drehte. Die beiden arbeiteten in den späteren 50er Jahren an so manchen Filmen mit, die heute ebenso wie "Decision at Sundown" zu den hoch gelobten Klassikern des Western-Genres zählen.

Das sind Filme wie "Seven Men from now" ("Der Siebente ist dran", 1956), "The tall T" ("Um Kopf und Kragen", 1957), "Buchanan rides alone" ("Sein Colt war schneller", 1958), "Ride lonesome" ("Auf eigene Faust", 1959), "Westbound" ("Messer an der Kehle", 1959) oder "Comanche Station" ("Einer gibt nicht auf") aus dem Jahr 1960.



RANDOLPH SCOTT

Nach dem Film "Comanche Station" drehte Randolph Scott nur noch einen Film, den von Sam Peckinpah inszenierten Western "Ride the high Country" ("Sacramento"), danach zog er sich (finanziell abgesichert durch klug angelegte Star-Gagen) aus dem Berufsleben zurück.

Die filmische Karriere von Randolph Scott (geboren am 23. Januar 1898) lief über 40 Jahre lang. 1928 spielte er seine erste (ungenannte) Rolle in einem Film und bis zum Ende dieser Karriere war er in annähernd 100 Filmen aufgetreten.
 
Randolph Scott starb im Alter von 89 Jahren am 2. März 1987 in Beverly Hills.


FILM AUF DVD

Viele der alten (und teilweise hervorragenden) Western sind noch immer nicht auf Video oder DVD erschienen, so auch "Fahrkarte ins Jenseits".

Der deutsche Titel übrigens ist (wieder mal) etwas nichtssagend und hat mit dem Original-Titel nichts zu tun. Der US-Titel heißt übersetzt einfach nur "Entscheidung in Sundown" - eine "Fahrkarte ins Jenseits" gibt es also hier weit und breit nicht.

In den USA sollte im November des Jahres eine Sammler-Box mit Filmen des Regisseurs Budd Boetticher erscheinen, auf der auch "Decision at Sundown" enthalten ist. Ob und wann diese Box aber bei uns erscheinen wird, steht in den Sternen.